Empty Lover

                                                                                                                   
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Eine kleine Lebensgeschichte und Überlegungen wieso ich jetzt bin wo ich bin.

Keine Rechtfertigungen. 

Nur eine Auflistung von Empfindungen und deren Umstände...


Lange zurück will ich nicht gehen. Sicher, jeder erlebt irgendwo traumatische Erlebnisse die einen Wendepunkt im Leben darstellen, einen komplett verändern. Sehr jung habe ich jemanden verloren, aber indem jetzt den Auftakt allen Übels sehen? Nein, es gibt keinen Grund. Für deine Fehler bist allein du verantwortlich. 


Ich frage mich echt oft wie das alles passiert ist. Wieso, immer wenn ich abnahm und mich besser fühlte habe ich immer wieder alles hingeschmissen?
Das erste Mal denke ich war es wohl wegen Unerfahrung. Das ganze Drama das meine Eltern angerichtet haben, noch oben drauf. Dabei war ich noch nichtmal richtig dünn! Wir hatten entsetzliche Streitereien. Sie haben mich sehr unter Druck gesetzt, mit aller Kraft wollten Sie ihren Willen durchsetzten. Aber das nur am Rande.
Ich weiß noch genau ich hatte eine Woche nichts gegessen und fühlte mich super scheiße. Weil ich super Hunger hatte machte ich mir ein paar Schüsseln Tütchen Suppe und schmiss riesen Mengen Bindemittel rein damit es mich satt machte. War nicht so eine gute Idee denn 2 Tage später hatte ich die schlimmste Magen-Darm Grippe und kotzte mir die Seele aus dem Leib. Als es mir wieder besser ging hatte ich zwar 47 Kg aber auch mega Appetit. Und ab da häufte sich FA über FA und ich hab es nicht mehr geschafft die auszugleichen. Wieso weiß ich nicht. Es ist der Jojo Effekt aber wieso ich mich nicht wenigstens ein wenig zusammengerissen hab- keine Ahnung. Ich konnte nicht glauben dass es so leicht war alles wieder zuzunehmen

Darauf folgten viele gescheiterte Abnehmversuche. Ich nahm meist 10 Kg ab und dann sofort wieder zu. Einmal hab ich 10 Tage gefastet und 7 Kg abgenommen, und innerhalb 1-2 Wochen wieder drauf. Meine Beziehung zu Essen ist seitdem schwierig. Dazu Depression, Stimmungsschwankungen, SSV, blabla

Das zweite Mal war es etwas anders. Ich weiß noch genau, 1 Jahr später, ich war so glücklich, der Tag als ich 50,0 auf der Waage sah und mich extra schön anzog. Und dann kam meine Mutter und hat Drama gemacht. Ich wäre zu dünn und ich soll mich sofort vor ihr auf die Waage stellen und es gibt Ärger und blabla. Das hat mich so entsetzlich wütend gemacht, was hatte sie das Recht dazu? Ich war 20 Jahre alt, und 50 Kg waren nicht mal ansatzweise zu wenig! Ich hasste sie so unglaublich dafür, jetzt fühlte ich mich endlich wieder gut nach so langer Zeit und sie musste alles zerstören!
In dem Moment war irgendwas zerbrochen und ich fühlte mich schlecht in mir.
Meine Mutter ist jemand die immer nur eine Meinung kennt, mich immer stark kontrollierte und die dich mit allem erdenklichen psychischen Druckmitteln zu allem Zwingen kann wenn sie will.
Meine Eltern ahnten eben hinter der schnellen Gewichtsabnahme eine potentielle Anorexie und Tod und Krankenhaus. Sie taten eben nur was sie für richtig hielten.
 Ich hatte Angst vor Streit und Drama, und fühlte mich wie im Käfig, dauernd den drohenden Blick im Nacken ahnend.
Ab dann hab ich richtig Scheiße gebaut. Ich fand nicht mehr Freude an irgendwas. Dann passierte es. Eines Tages wollte ich Kaugummi kaufen in der Drogerie , hatte es schon in der Hand aber sah mir noch andere Sachen an und vergaß ganz über das Kaugummi. Meine Hände saßen wie immer lässig in meiner Jackentasche als ich den Laden verließ. Erst später merkte ich dass ich das Kaugummi ja noch hatte und wunderte mich so naiv dass nicht sofort das Alarmsystem anging oder jemand was merkte. So einfach war es also zu stehlen. Also machte ich weiter. Erst noch ganz harmlos, Billig-Schmuck oder Make-Up Tester. Ich recherchierte über die verschiedenen Arten von Diebstahlschutz an Waren und experimentierte Erfolgreich mit dem Umgehen von diesen.
Bald darauf wurde es teures Make-Up, versilberter Schmuck, Geldbeutel,  Taschen, Schuhe, eine Jacke. Ich rechtfertigte es damit dass es mir einen unglaublichen Nervenkitzel gab. Außerdem war es so toll endlich mal coole Sachen wie Luxus-Makeup zu besitzen, vorher kaufte ich mir eigentlich nie etwas und wollte immer sparen. Ich dachte auch, was willst du für so Zeug Geld ausgeben? Das harterarbeitete Geld deines Vaters dafür ausgeben? Du verdienst solche Sachen nicht. Ich wollte mir zwar einen Job suchen aber meine Mutter überredete mich dazu mich lieber auf das Studium zu konzentrieren. Ohne das ich es wahrhaben wollte kroch der Selbsthass, die Scham langsam in mir hoch und fraß alles Gute in mir auf. In Wirklichkeit fühlte ich mich schrecklich dass ich so etwas tat. Aber ich unterdrückte es, ich sagte mir immer "das wird das letzte Mal", aber ich wollte nicht aufhören, es war wie eine Sucht, lenkte mich ab von meinen anderen Sorgen. Meine ganze Selbstachtung schlich sich dahin. Mir war irgendwie plötzlich alles egal. Ich nahm langsam zu.
Aber dann: Als ich mit meiner Mutter zusammen im Einkaufszentrum war (ja, nicht mal davor schreckte ich zurück), wurde ich erwischt. Ich hatte 2 Michael Kors Taschen und ein Bustier von Guess eingesteckt und war schon aus dem Laden draußen, dann kam mir die Angestellte nachgelaufen und wollte in meine Taschen schauen. Vor meiner Mutter. Ich hätte rennen können...Aber hätte es was gebracht? Die Polizei kam, die Angestellten haben mir die schlimmsten Beschimpfungen an den Kopf geworfen, einer Spuckte sogar und wollte handgreiflich werden, ich hab geheult wie ein Idiot...

Meine Eltern voll geschockt. Meine Mutter tritt mir bis heute mit Misstrauen entgegen. Aber den schlimmsten Vorwurf mach(t)e ich mir selbst. Ich schämte mich so schrecklich.
Irgendwie kam ich nicht vor Gericht obwohl ich volljährig war, ich hatte mega Glück, es gab nur ein Gespräch mit einer Jugend-Straf Angestellten. Naja, in der Polizeiakte steht jetzt was.
Aber ich ging nicht mehr zum Konservatorium (studierte damals noch Musik), wollte gar nicht mehr rausgehen, brach das Studium ab. Ließ mich komplett gehen.

Mal erwischt werden beim klauen, ist doch nicht so schlimm dass man sich gleich total gehen lassen muss? Ich weiß auch nicht. Ich war sonst psychisch auch am Ende, denn das Musikstudium, mein Lebenstraum, lief schon länger nicht gut und ich ahnte ich würde mich wohl niemals in der Musikwelt behaupten können. Im kleinen Kreis der lokalen Musikschule war ich vielleicht die Beste gewesen. Aber wenn dich dann woanders wirklich bedeutende, hohen Tiere regelmäßig spüren lassen was du für eine Niete bist, dann glaubst du es irgendwann auch. Irgendwann vermasselte ich ein Konzert nach dem anderen und traute ich mich gar nichtmehr vorzuspielen weil ich dauernd Blackouts bekam. Mein neuer Lehrer, den ich sosehr bewunderte, hielt sich immer nur mit mini Details auf die ich niemals erfüllte und brachte mich damit so auf die Palme dass ich den Spaß an der Musik verlor.

Jetzt studiere ich eben was anderes. Es ist kein Traum, bloss muss ich ja irgendwas machen. Das Leben geht weiter und wartet nicht auf dich. Ich habe das Gefühl meine Jugend, die eigentlich beste Zeit, verschwendet zu haben. Oder denkt wohl jeder so? Ich versuche über meine Lage objektiv nachzudenken und mich zu bessern anstatt mich für nichts selbst zu bemitleiden. Aber gelingt mir das auch tatsächlich? Andere erleben schlimme Schicksalsschläge, haben Existenzprobleme. Die haben keine Zeit dunkle Gedanken zu extensivieren und sich dann von ihnen übermannen zu lassen. Ihren perfekten Körper zu verunstalten, vielleicht nur weil es so viel schwieriger ist eine wirkliche Lösung zu finden.

Vielleicht ist das auch eine Phase die zum erwachsen werden dazu gehört und andere werden besser damit fertig.

Wenn du erfahren hast wie einfach es ist zu scheitern wird alles so schwierig.


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